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 Fragen allgemein
Sandra (Nino) Offline

Mooshofgrufti

Beiträge: 224

06.12.2009 04:43
Artikel - Metabolisches Syndrom - Dr. Jürgen Bartz Antworten

Dr. Jürgen Bartz - Metabolisches Syndrom
Modeschlagwort oder medizinisches Problem?

Viele Pferde sind untrainiert und verfettet und erkranken deshalb an Zivilisationskrankheiten - und viele Pferdehalter ignorieren diese Gefahr. Es bestehen fatale Parallelen zu den schnell steigenden Zahlen von übergewichtigen Menschen.

In der Humanmedizin ist das Metabolische Syndrom als eigenständige Krankheit anerkannt und mittlerweile weit verbreitet. Die Patienten leiden an Fettsucht im Bauchbereich (innen und außen), damit einhergehenden und die Fettsucht zusätzlich weiter verstärkenden hormonellen Störungen mit Insulinresistenz und Diabetes sowie an Herz- und Gefäßerkrankungen.

Ähnliche Verhältnisse können bei Pferden vorliegen - mit drei wesentlichen Unterschieden:

1) Die Fettpolster liegen überwiegend im Bereich von Mähnenkamm, Schulter, Kruppe und Flanke.
2) Die Insulinresistenz führt seltener zu einem ausgeprägten Diabetes.
3) Die Gefäßschäden manifestieren sich weniger in Herz-Kreislauferkrankungen als in einer unter
Umständen verstärkten Anfälligkeit für Hufrehe.

Die Ursachen sind bei Mensch und Tier wiederum recht ähnlich:

1) Dauerhafte Überernährung führt zunächst zum Aufbau krankhaft großer Mengen von Speicherfett
am und im Körper. Ist das körperliche Aktivitätsniveau zugleich niedrig, wird der Prozess enorm
beschleunigt.
2) Ein Teil dieses Fettgewebes ist nicht nur passives Speichergewebe, sondern beginnt mehr und mehr selbst mit
der Produktion von Hormonen, die einerseits den Appetit erhöhen, aber auch den Insulin-Stoffwechsel aus dem
Gleichgewicht bringen. Insulin ist im gesunden Körper dafür zuständig, dass der Blutzucker ausreichend in die
energieverbrauchenden Gewebe (Muskeln, Leber, Herz) aufgenommen wird, aber im Blut immer nur in einer
bestimmten Höhe vorliegt.
3) Das Resultat: Während natürliche Zucker-Zielorgane (Muskeln, Leber, Herz)schlecht mit Energie versorgt werden,
liegt im Blut ein dauerhaft viel zu hoher Zuckerspiegel vor. Die Fettdepots wachsen jetzt noch schneller, weil
viel freier Zucker in Fett umgewandelt werden kann. Daraus resultiert eine erhöhte hormonelle Störung und dann
stärkerer Hunger, eine deutlich erhöhte Nahrungsaufnahme und weitere Verfettung - ein Teufelskreis.

Während in diesem - dem häufigsten - Fall also die dauerhafte Überernährung die Stoffwechsel-Entgleisung hervorgerufen hat, sind auch seltenere Fälle bekannt, in denen am Anfang eine spontan auftretende hormonelle Störung im Gehirn vorliegt, die den unkontrollierten Fresstrieb auslöst und das krankhafte Geschehen dadurch in Gang setzt.

Denn der dauerhaft überhöhte Blutzuckerspiegel ist gewebetoxisch - wie auch beim menschlichen Diabetiker: Er beschädigt die Wand der Blutgefäße. Beim Menschen resultieren daraus vor allem Herz-Kreislauferkrankungen (Ateriosklerose).
Die gefährlichste Folge ist für das Pferd - neben dem Übergewicht - eine nachgewiesenermaßen erhöhte Anfälligkeit für Hufrehe. Denn Beschädigungen der kleinsten Blutgefäße in der Huflederhaut sind ein wesentlicher Faktor in der Entstehung dieser Krankheit.

Diese durch ein Metabolisches Syndrom auftretende Hufrehen unterscheiden sich also von der Hufrehe, die durch eine einmalige Überfütterung mit leicht verdaulichen Kohlenhydraten (Stärke, Zucker, insbesondere Fruktan), vor allem im Weidegras auftritt.
Ein möglicher Zusammenhang besteht insofern, als latend unter dem Metalbolischen Syndrom leidende Pferde durch eine Überlagerung der beiden Ursachen vermutlich schon mit relativ kleinen Mengen von Fruktanen zum akuten Reheschub gelangen können.

Im Zusammenhang mit dem Metalbolischen Syndrom und der Hufrehe ist auch das Cushing-Syndrom zu sehen:

Bei Cushing-Patienten liegt eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse vor, die mit bestimmten Hormonstörungen einhergeht, vor allem mit einem dauerhaft zu hohen Cortisol-Spiegel im Blut. Dadurch werden langfristig all jene Symptome hervorgerufen, die auch bei einem primären Metabolischen Syndrom beobachtet werden, also vor allem die speziell auffälige Fettverteilung, die Insulinresistenz und die Hufrehe. Darüber hinaus fällt insbesondere das ganzjährig lange Fell auf sowie die Tendenz zu schlechter Bemuskelung, leichtem Schwitzen und starkem Durst. Während das Metalbolische Syndrom vor allem bei Pferden im mittleren Alter beobachtet wird, zählt Cushing in der Regel zu den Gesundheitsstörungen des alten Pferdes.

Die Diät für Pferde mit Metalbolischem Syndrom besteht vor allem in der Zufuhr von möglichst langsam abbaubaren Energieträgern aus Raufutter, also langkettigen Kohlenhydraten wie Zellulose, denn so wird das Blut von plötzlichem Eintrag hoher Blutzuckermengen entlastet. Diese langsam abbaubaren Energieträger finden sich vor allem in Stroh, langfaserigem, spät geschnittenem Heu und ebensolcher Grassilage sowie in altem, verholztem Gras.
Zu meiden sind Futtermittel mit hohen Anteilen leicht verdaulicher Kohlenhydrate (Stärke, Zucker), also vor allem junges Weidegras (vor allem an sonnigen Tagen mit niedrigen Temperaturen, weil unter diesen Bedingungen oftmals besonders hohe Fruktangehalte entstehen) und sehr früh geschnittenes Heu bzw. sehr früh geschnittene Grassilage.

Es ist wesentlich, dass darüber hinaus die Summe der täglichen Aufnahme von Nahrungsenergie strikt auf das für das jeweilige Pferd erforderliche Maß reduziert und dieser Wert anhand von Futtermitteltabellen in Fachbüchern und dem Abwiegen der Rationskomponenten genau bestimmt wird.

Aber eine Brutal-Hungerdiät stellt keine Alternative dar. Vielmehr muss das Raufutter so portioniert über den Tag verabreicht werden, dass das Pferd niemals länger als ca. zwei Stunden völlig ohne jede Nahrung steht. Das ist besonders wichtig, wenn strohlos eingestreut wird oder die Pferde zum Reduzieren des Weidegangs teilweise im Sandpaddock stehen. Wenn Pferde mit viel Stroh gefüttert werden, da ja nur ca 60 % des Energiegehaltes von Heu hat, darf dessen Anteil aber aus Verdauungsgründen (z. B. Risiko für Strohkolik) nicht mehr als ca. 30 - 40 % der Tagesmenge an Raufutter ausmachen. Der Rest muss aus Heu, Silage oder Gras kommen.

Ohne eine (natürlich ganz allmählich mit den Fähigkeiten des Pferdes steigende) täglich intensive Bewegung kann das schädliche Fettgewebe kaum abgebaut und die oftmals verkümmerte Muskulatur nicht wieder aufgebaut werden. Die Bewegung ist ein ganz wichtiger Faktor in der Therapie.

Verfettete Pferde sollten erst dann wieder Kraftfutter erhalten, wenn sie ihr Normalgewicht erreicht haben und weiter intensiv bewegt werden, so dass auch ein dementsprechender Bedarf besteht. Es empfiehlt sich sehr, dann anstelle von Getreide oder preiswerten Mischfuttern auf solche Qualitäts-Pellets umzustellen, deren Kohlenhydrate durch thermische Vorbehandlung (sogenanntes Expandieren) zerlegt und damit leichter verdaulich gemacht wurden.

Zwei weitere Fütterungsfaktoren sind für den in der Rekonvaleszens befindlichen Patienten mit Metabolischem Syndrom wichtig:

- die Gabe eines hochwertigen Vitamin-Mineral-Ergänzungsfuttermittels
- die gezielte Zufütterung von Aminosäurepräparaten (aus der Tierarztpraxis) zum Muskelaufbau,
wenn die Ration aufgrund der Energiereduktion nur wenig Heu und Gras enthält und daher, zusammen mit dem
Fehlen von Getreide als Proteinträger, zu eiweißarm wird.

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