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Hier noch etwas zum Lesen:
Was ist eine Allergie?
Ähnlich wie beim Menschen nimmt auch bei Tieren die Anzahl der Allergiker stark zu. Was aber passiert bei einer Allergie überhaupt? Das Immunsystem aller Säugetiere reagiert auf fremde Stoffe aus der Umwelt, die in den Körper eindringen, mit der Bildung von sogenannten Antikörpern, die auch Immunglobuline (Ig’s) genannt werden. Diese Antikörper werden von den weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) produziert und setzen körpereigene Reaktionen in Gang, um Fremdkörper (Antigene) zu vernichten. Allen Antikörpern ist gemeinsam, dass sie genau für ihr Gegenüber, das Antigen, maßgeschneidert werden und dieses anhand spezifischer Strukturen der Oberfläche erkennen können.
Man kann daher sagen, daß Antigen und Antikörper zusammenpassen wie ein Schlüssel zum Schloss. Der Körper eines Nicht-Allergikers unterscheidet Fremdstoffe jedoch nach deren Gefährlichkeit und bildet dementsprechend unterschiedliche Arten von Antikörpern, die verschiedene Reaktionen vermitteln. Der Kontakt mit harmlosen Gräserpollen zum Beispiel führt in der Regel - wenn überhaupt - zur Bildung von Antikörpern des Typs G (IgG). Hiermit ist der Körper in der Lage, die reizenden Pollen zu binden und zu entfernen. Dies passiert aber ohne klinische Symptome und ist ein Vorgang, der von jedem Organismus selbstverständlich und andauernd neu geleistet wird.
Wie aus der Humanmedizin bekannt ist, beruhen die meisten Allergien darauf, daß der Körper auf Fremdstoffe mit Antikörpern des Typs E (IgE) antwortet. Diese machen normalerweise nur einen winzigen Bruchteil der Immunglobuline im Serum aus. Im Verlauf einer antikörpervermittelten Allergie (Typ 1-Allergie) erhöht sich der IgE-Spiegel im Serum aber bis zum 10.000fachen. Es kommt hierbei zu einer überschießenden, also unverhältnismäßig starken und schnellen Reaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Fremdstoffe.
Endet der Kontakt zu einem Allergen, z. B. bei Sommerekzem-Patienten im Herbst nach Ende der Mückenzeit, sinken die IgE-Spiegel im Blut nach ca. 10-12 Wochen ab und können dann so niedrig wie bei gesunden Tieren werden. Nach einem erneuten Allergenkontakt steigen sie innerhalb kurzer Zeit wieder stark an.
Wie äußert sich eine Allergie bei Pferden?
Ein allergisches Pferd kann ganz ähnliche Symptome wie ein allergischer Mensch entwickeln. Im Folgenden sind einige Beispiele aufgeführt.
Allergischer Husten
Die ersten Anzeichen für einen allergischen Husten sind eher harmlos. Bertoffene Pferde schnauben und husten nur einige Male beim ersten Antraben etwas Schleim ab. Später husten sie bei Belastung und Staubentwicklung in der Reitbahn oder im Stall. Die Atmung wirkt angestrengt. Der Nasenausfluss ist wässrig bis eitrig. Durch den Staub, die Pilzsporen oder die Eiweiße kommt es zu kleineren Entzündungsherden. Diese reizen die Atemwege und führen zu Hustenanfällen. Die Entzündungen weiten sich aus, die Atemorgane verkrampfen, die Schleimhäute schwellen an, was wiederum Husten auslöst.
Nicht immer sind Viren und Bakterien Schuld an einem hartnäckigen Pferdehusten. Naben Staub und Ammoniakgasen sind es vor allem die Schimmelpilze und andere Pilzsporen sowie Milben, die die Atemwege der Pferde reizen und zu Allergien führen. Daneben entsteht in den Pferdeställen organischer Staub, der Blütenpollen und andere Eiweißkörper enthält und auf der Weide warten Pollen und Insekten. Dazu kommen noch zahlreiche weitere Allergieauslöser, so genannte Allergene, die sich in Holzschutz- und Insektenschutzmitteln, Stallfarbe, im gespritzten Futter oder auch in Shampoos verbergen. Die Liste der Allergene ist beliebig verlängerbar, die Abwehr sensibler Pferde reagiert in vielen Fällen dann so stark, dass es zu den verschiedensten Auswirkungen kommt.
Neben Husten reagieren manche Pferde mit der Haut oder mit Kopfschütteln (Headshaking) auf solche Allergene. Besonders Boxenpferde, die den Großteil des Tages dem Stallstaub ausgesetzt sind, haben kaum noch Abwehrkräfte und bilden die Hauptgruppe der Allergiker. Häufig entsteht ein allergischer Husten im Anschluss an einen akuten Pferdehusten, weil das ohnehin bereits sensibilisierte Immunsystem überstark auf Staub und Pilzsporen reagiert
Allergene
Atemwegserkrankungen auslösende Allergene, die über das Medium Luft in die Atemwegsorgane gelangen, sind in erster Linie Pollen von Gräsern und Kräutern, Baumpollen und vor allem die gefürchteten Pilzsporen wie Alternaria, Aspergillus oder Cladsporum. Es können aber auch bestimmte Umgebungsallergene wie Brom, Chlor, Formaldehyd oder diverse Hydride sein. Gräser- und Kräuterpollen sowie Pilzsporen sind in jedem Heu und Stroh, je nach Qualität in geringeren oder größeren Mengen vorhanden, und zwar ohne Ausnahme. Umgebungsallergene können von Stalleinbauten, imprägnierten Zaunpfosten oder anderen Einrichtungen stammen, die sich in der Nähe des Pferdes befinden, und denen es ebenfalls ständig ausgesetzt ist.
Staubträger: Staub besteht aus organischen und anorganischen Bestandteilen. Entwickelt sich bei besonders trockener Luft aus Heu, Stroh, Einstreu, Absonderungen der Pferdehaut, getrockneten Exkrementen und Sekretteilchen, Sand und Erde. Ein Großteil des Staubes wird vom Pferd im Nasen- Rachenraum gefiltert. Ein Bruchteil allerdings mit einer Größenordnung kleiner 0,005 mm erreicht die Lungenbläschen. Auch die Rückstände der Tiermilbe gelangen bis zu den Lungenbläschen.
Luftbestandteile, Staubträger: Allergene Pilzsporen Blütenpollen Tiermilbe begünstigende Kriterien schlechte Stallluft Ammoniak Schwefelwasserstoff Gefahr durch Sekundärinfektion durch Keime Bakterien Streptokokken Staphylokokken Diplokokken Bordatellen Pseudononas Mykoplasmen Viren Influenzaviren Reoviren Herpesviren Rhinoviren Pilze Aspergillus Hefen wie Candida albicans
Atemwegsallergien
Atemwegsallergien müssen als die am meisten verbreitete Allergieform überhaupt angesehen werden. Grundsätzlich kann eine Erkrankung der Atemwege durch drei Faktoren ausgelöst werden: · durch Übertragung von Bakterien, Viren und Pilzen · durch mechanische Einflüsse, innere Blutungen oder Herz/Kreislauf- Erkrankungen · durch eine allergische Reaktion von Schleimhäuten der Atemwegsorgane auf eindringende Allergene Bei den auf eine allergische Atemwegserkrankung disponierten Pferde lösen bestimmte Allergene, die über die Atmung in die Lunge gelangen und sich auf den Schleimhäuten der verschiedenen Atemwegsorgane wie der Nasenhöhle, der Nasennebenhöhle, den Luftsäcken über die Bronchien bis hin zu den Lungenbläschen (Alveolen) verteilen, Reaktionen des Gewebes aus. Der Pferdeorganismus reagiert auf diese Allergene wie auch bei anderen allergischen Reaktionen übermäßig und unnötig. Dabei werden im Bereich der Atmungsorgane folgende Schutzmechanismen mobilisiert : Ø das Flimmerepithel Ø schleimbildende Zellen (Becherzellen) Ø Fresszellen (Makrophagen) Bei normaler Staubbelastung halten sich die Aktivitäten dieser Schutzmechanismen mit den eindringenden krankheitserregenden Stoffen (Allergenen) die Waage. Bei übermäßiger Staubbelastung wird als erste Reaktion der Husten ausgelöst.
Achtung ! Der erste Husten sollte nicht gleich mit irgendeinem Mittel unterdrückt werden. Er stellt eine wirksame Methode dar, Fremdkörper aus den Luftwegen zu entfernen. Der produzierte Schleim mit Staub und Allergenen wird durch das Husten entfernt. Im Rahmen der allergischen Reaktion werden körpereigenes Histamin und andere Mediatoren freigesetzt, welche das Gewebe im Bereich der Schleimhäute eindringen und Schwellungen verursachen. Zusätzlich kann sich dieses sensibilisierte Gewebe entzünden. Das Pferd reagiert also auf diese Vorgänge mit ersten Symptomen wie Husten, erschwerter Atmung und wässrigem Nasenausfluss, also ähnlichen Anfangssymptomen wie bei der infektiösen Atemwegserkrankungen. Werden keine Gegenmaßnahmen beim Auftreten der ersten Symptome der allergischen Reaktion ergriffen, können schwerwiegende und irreparable Atemwegserkrankungen wie chronischer Husten bzw. chronische obstruktive Bronchitis (COB) bis hin zum Lungenemphysem mit Bronchialkrämpfen folgen. Das Lungenemphysem stellt schließlich die irreversible Erweiterung der Lungenbläschen das und wird landläufig als Dämpfigkeit bezeichnet. Alle Formen bzw. Steigerungen der Atemwegserkrankungen durch Allergie gehen fieberlos einher. Mischformen sind aber möglich, besonders bei einer anschließend entstehenden Folgeinfektionen.
Ein Pferd besitzt je nach Körpergröße bzw. Lungenvolumen etwa 100 Millionen Lungenbläschen mit einem Durchmesser von 0,5 mm. Das entspricht einer Gesamtfläche von ca. 200 Quadratmetern. Die Symptome der allergischen Bronchitis stellen sich wie folgt dar : 1. das Pferd zeigt als ersten Hinweis einen Leistungsabfall beim Reiten. Es wirkt müde, will kaum traben, schon gar nicht galoppieren. Es räuspert sich oft und zwar so, als ob es etwas loswerden will. Auch schnaubt es mehr als normal. Es wirkt teilnahmslos, sehr ruhig und zeigt erste Unlust bei der Nahrungsaufnahme. Es entwickelt sich wässriger Nasenausfluss. 2. es folgen erste Hustenerscheinungen, die zunächst leise und unterdrückt wahrzunehmen sind. Bei Belastung (Ausritt im Gelände, Halle, an der Longe) werden die Huster massiver, zum Teil kräftig und mehrmals hintereinander. Jetzt werden auch Atemgeräusche offen hörbar, der Nasenausfluss wird milchig. 3. in der dritten Phase zeigt das Pferd Atemnot, besonders in der Bewegung, aber auch in der Ruhephase. Es hat kein Fieber und hustet jetzt auch vermehrt im Stall. Der Nasenausfluss wird eitrig. 4. die Atemnot nimmt zu. Charakteristisch ist beim Atmen jetzt die sog. Doppelschlägigkeit die sich wir folgt darstellt : · das Einatmen geschieht langsam und gleichmäßig mit hörbaren Rasselgeräuschen (Ohr an Nüstern halten). · das Ausatmen findet in zwei Abschnitten statt a) passives Ausatmen des ersten Teils der Luft b) aktives Ausatmen des zweiten Teils der Luft unter Zuhilfenahme der Bauchmuskulatur (= Auspressen der Luft),um chronischen Stadium bildet sich die sog. Dampfrinne. 5. beginnt sich die Lunge zu verkrampfen, ist zusätzlich beim Ausatmen eine Vorwölbung des Afters zu beobachten. Die Begleiterscheinung der Lungenverkrampfung sind ähnlich die einer Kolik. Das Pferd wirft sich auf den Boden, ist sehr unruhig, hat aufgerissene Augen und zeigt sichtliche Angstreaktionen.
Meistens kann erst bei der zweiten Phase mit erstmaligem Auftreten von Husten mit Gegenmaßnahmen begonnen werden, denn die Anfangssymptome der Phase 1 (Leistungsabfall, Müdigkeit, Unlust) lassen auch auf viele andere zum Teil auch harmlose Ursachen schließen. Alle staubentwickelnde Stoffe wie Heu, Stroh oder Walzhafer dürfen nicht mehr in die Nähe des Pferdes gelangen bzw. müssen mit Wasser neutralisiert werden. Das Pferd sollte ständig frische Luft haben (z.B. in einer Außenbox untergebracht werden).
Einzelallergene im Überblick
Allergengruppen Gräserpollen Einzelallergene Hafer, Hundszahngras, Knäuelgras, Lieschgras, Lolch (Weidelgras), Roggen, Ruchras, Schilf, Sorgho, Trespe, Weißes Straußras, Weizen, Wiesenfuchsschwanz, Wiesenrispengras, Wiesenschwingel, Wolliges Honiggras Allergengruppe Kräuterpollen Einzelallergene Beifuß, Brennnessel, Gänseblümchen, Gänsefuß, Löwenzahn, Margerite, Quecke, Raps, Sauerampfer, Spitzwegerich Allergengruppen Baumpollen Einzelallergen Ahorn, Birke, Buche, Eiche, Erle, Esche, Haselnuss, Kiefer, Linde, Nussbaum, Pappel, Platane, Salweide, Ulme, Wacholder Allergengruppe Schimmel- und Hefepilze (Pilzsporen) Einzelallergene Alternaria tenius, Aspergillus clavatus, Aspergillus flavus, Aspergillus fumigatus, Aspergillus niger, Aspergillus oryzae, Saccharomyces cerevisiae, Candida albicans, Cladsporum herbarum, Penicillium notarum, Ustilago nuda Allergengruppen Nahrungs- und Futtermittel Einzelallergene Gerste, Buchweizen, Dinkel, Gluten, Hafer, Hirse, Japanische Hirse, Kolbenhirse, Mais, Reis, Roggen, Weizen Allergengruppen Nüsse und Ölsaaten Einzelallergene Erdnuss, Haselnuss, Kokosnuss, Leinsamen, Mandel, Paranuss, Pinienkerne, Soja- Lecithin, Sojabohne, Soja- Eiweiß, Walnuss Allergengruppen Obst / Gemüse Einzelallergene Apfel rot, Apfel grün, Aprikose, Banane, Birne, Blaubeere, Blumenkohl, Broccoli, Brombeere, Dattel, Erdbeere, Feldsalat, Fenchel, Gurke, Karotte, Kartoffel, Knoblauch, Kopfsalat, Kürbis, Lauch, Mandarine, Melone, Sojasprossen, Petersilie, Pfirsich, Pflaume, Sellerie, Spargel, Spinat, Süßkartoffel, Tomate, Zitrone, Zuccini, Zwiebel Allergengruppen Hülsenfrüchte Einzelallergene Kichererbse, Linse, Rote Bohne, Weiße Bohne Allergengruppen Kräuter Einzelallergene Anis, Basilikum, Dill, Estraon, Liebstöckel, Lorbeerblatt, Majoran, Oregano, Rosmarin, Senfsaat, Thymian Allergengruppen Sonstige Futtermittel Einzelallergene Cassava, Fenchelsamen, Honig, Johannisbrot, Kürbissamen, Luzerne, Malz (Gerste, Weizen), Melasse, Minze, Mohnsammen, Zuckerrübensamen Allergengruppen Milben / Insekten Einzelallergene Acarus siro, Biene, Floh, Hausstaubilbe, Horisse, Kriebelmücke, Lepidoglyphus destructor, Pferdebremse, Staubmilbe, Stechmücke, Weidestechfliege, Wespe, Zecke Allergengruppen Umgebungsallergene Einzelallergene Baumwolle, Brom, Chlor, Ethylen, Formaldehyd, TDI, N/MDI, HDI, Latex, diverse Hydride, Phenylendiamin, Dieldrin Allergengruppen Arzneimittel Einzelallergene Acetylstein, Acetylsalicylsäure, ACTH, Ambroxal, Aminocephalosporansäure, Aminopenicillansäure, Amoxycillin, Amphotericin B, Ampicillin, Barbiturate, Benzocain, Bromhexin, Captopril, Carbenicillin, Cefachlor, Cephalosporin, Cephalotin, Chloramphenicol, Ciprofloxacin, Diclofenac, Doxcyclin, Enoxacin, Ethoform, Getamycin, Ibuprofen, Insulin, Isoprenalin, Kanamycin, Ketoprofen, Lidocain, Metamizol, Metronidazol, Naproxen, Neomycin, Norfloxacin, Nystatin, Oxacillin, p-Aminobenzoesäure, Paracetamol, Penicillin G und V, Phenacetin, Phenobarbital, Phenylbutazon, Piperacillin, Polymixin,Prilocain, Procain, Pyridoxamin,Resorcin Streotomycin, Sulfamethoxazol, Tetracain, Thyroxin, Trimethoprim, Tryptophan, Tyramin, Vancomycin
Allergie auslösende Stoffe
Prinzipiell kann der Pferdekörper auf jede Substanz eine Allergie entwickeln. Es bestehen jedoch erhebliche Unterschiede in der Allergiepotenz einzelner Stoffe, also darin, wie häufig und wie ausgeprägt ein Stoff eine Allergie auslöst. Weiterhin reagieren unterschiedliche Pferderassen besonders sensibel auf unterschiedliche Allergene. Beispielsweise reagieren gerade manche Islandponys auf den Speichel einer bestimmten Mückenart, der sog. Gnitze, mit einer allergischen Hautreaktion, dem Sommerekzem. Interessant hierbei ist, dass ausgerechnet auf Island diese Mückenart gar nicht vorkommt. Für allergisch bedingte Atemwegserkrankungen sind oft Pilzsporen in Heu und Stroh oder Pollen von einigen, leider überall vorkommenden Gräsern verantwortlich.
Futtermittel Pferde mit allergischer Disposition können gegen manche Futtermittel eine Sensibilität entwickeln. Einige Futtermittel sind jedoch besonders häufig für allergische Reaktionen verantwortlich. So hat eine Untersuchung ergeben, dass sich die höchsten Werte bei der Melasse zeigen, die sehr häufig bei der Fertigfutterherstellung (z.B. Pferdepellets, Reformhafer) verwendet wird.
Staubpartikel 1. Blütenpollen von Gräsern, Kräutern und Bäumen Die Pollenallergie ist beim Pferd die wohl am meisten verbreitetste Allergieform überhaupt. Blütenpollen von Wiesengräsern und Kräutern, aber auch in spät geerntetem Heu (Heu von spätblühenden Gräsern und Kräutern) kommen in Form von Staubteilchen in der Luft vor und werden über die Atmung vom Pferd aufgenommen. Dabei weisen die einzelnen Stoffe bzw. Allergene ebenfalls unterschiedliche Allergiepotenzen auf. Neben den Gräserpollen spielen auch die Blütenpollen von Laub- und Nadelbäumen sowie andere Blütenpflanzen von Hecken und Büschen eine gewisse Rolle (Weide, Eiche, Pappel, Ahorn, Platane u.a.). 2. Pilzsporen Pilzsporen sind die am problematischsten einzustufenden Allergene und kommen in Heu und Stroh vor, und zwar je nach Qualität des Raufutters in geringerer oder höherer Anzahl. Aber auch in der Einstreu von Innenställen oder in Ecken und Nischen von Außenställen sind Pilzsporen angesiedelt bzw. entstehen durch die Vermischung von feuchtem Heu und Stroh. Der Allergieträger ist hierbei nicht der Pilz selbst, sondern seine Sporen, die ihm zur Fortpflanzung und Verbreitung dienen. Und das macht die Sache nicht gerade leicht, denn die winzig kleinen, für das Auge nicht wahrnehmbaren Pilzsporen setzen sich durch das Aufschütteln von Heu oder Stroh frei und befinden sich dann in sehr hoher Zahl in der Luft. So gelangen sie beim Raufutterfressen über die Atmung in die Lunge der Pferde. Selbstverständlich können Pilzsporen auch in jedem anderen Futtermittel vorkommen. 3. Milben Bei den Milben handelt es sich um mikroskopisch kleine Ektoparasiten, die bei uns Menschen eine hohe Allergiepotenz besitzen (Hausstaubmilben) und mehr oder minder auch in Pferdeställen beheimatet sind (Tiermilbe). Dabei ist nicht die Milbe selbst der Allergieträger, sondern deren Exkremente .
Medikamente Allergien auf Medikamente haben in den letzten Jahren stetig zugenommen. Allerdings werden auch mehr Medikamente als früher verabreicht. Besonders häufig sind Allergien auf Antibiotika. Aber auch Sulfonamide, Antiphlogistika, Antiparasitika aber auch Impfstoffe stehen auf der Liste der möglichen Auslöser bei empfindlichen Pferden. Sowohl die orale als auch die parenterale und die lokale Applikation kann eine Reaktion auslösen. Die Reaktionen reichen von einer leichten Nesselsucht bis hin zu schweren Schockzuständen mit Todesfolge.
Insekten, Würmer und andere Parasiten (Endo- und Ektoparasiten) Die meisten Insektengifte gelangen durch Stiche von Bienen, Wespen, Mücken und Bremsen in den Pferdekörper. Für einen gesunden Pferdeorganismus stellen sie – in geringer Anzahl natürlich- kein Problem dar. Besteht aber eine Sensibilisierung durch einen bereits vorher stattgefunden Kontakt mit dem Insektengift oder ist eine erbliche bzw. erworbene Veranlagung für eine Allergie vorhanden, können auch an sich harmlose Insektengifte mehr oder minder starke allergische Reaktionen auslösen, von Schwellungen der Haut bis hin zum Schock. Einen besonders breiten Raum nimmt der bereits erwähnte Speichel einer bestimmten Mücke ein, der das Sommerekzem auslöst. Vergessen darf man auch nicht die Zusammenhänge von schädlichen Stoffen, Mikroorganismen und Parasiten wie z.B. Bakterien, Pilze, Viren, Würmer, die den Verdauungstrakt des Pferdes befallen und die natürliche Darmflora beeinträchtigen. Die Darmflora spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie besteht aus Millionen von Bakterien, die wie ein dichter Belag die Darminnenwände überziehen. Diese Mikroorganismen gehen mit dem Darm eine Zweckgemeinschaft ein. Sie trainieren das Immunsystem, verhindern die Ansiedelung krankmachender Keime und produzieren lebenswichtige Vitamine wie Vitamin B, Botin und Folsäure. Durch einen übermäßigen Befall durch Endoparasiten befindet sich das Abwehr- bzw. Immunsystem in einer ständigen Alarmbereitschaft. Daher kommt es zu einer schnelleren Allergieantwort des Körpers bei Kontakt mit dem Allergen.
Sonnenlicht Eine Allergie auf Sonnenlicht oder auch Photoallergie entsteht durch die Wechselwirkung von UV- Licht mit einer sensibilisierenden Substanz, etwa mit Medikamenten oder Pflanzenextrakten wie zum Beispiel Johanniskraut und Buchweizen. Die bei robust gehaltenen Pferden immer häufiger auftretende Sonnenallergie äußert sich in Form von juckenden Hautekzemen der bestrahlten Hautpartien (hauptsächlich Kopf, Hals und Rumpf). Zusammenhänge mit der pferdeeigener Schweißbildung werden bei dieser Allergie ebenfalls angenommen. Es werden mehrere Typen der Photosensibilität unterschieden : * die primäre Photosensibilität entwickelt sich bei Aufnahme phototoxischer Verbindungen. Es gibt viele Pflanzen, die solche Substanzen enthalten. Besondere Bedeutung haben Johanniskraut mit dem Farbstoff Hypericin und Buchweizen, mit dem Inhaltsstoff Fagopyrin *die sekundäre oder hepathogene Photosensibilität hat Phylloerythrin, ein im Dickdarm dedes Pferdes gebildetes Umwandlungsprodukt des Pflanzenfarbstoffs des Pferdes gebildetes Umwandlungsprodukt des Pflanzenfarbstoffs Chlorophyll, als sensibilisierenden Faktor. Sein enterohepathischer Kreislauf kann bei Lebererkrankungen gestört sein, so dass es sich mit dem Blut im Körper verteilt und dabei in die Haut gelangt (vor allem nach Aufnahme von lebertoxischen Pflanzen wie Gemeinem Kreuzkraut oder Jacobskreuzkraut). Leberschädigungen können in Verbindung mit photodynamischer Dermatitis durch Phylloerythrin vorkommen. Die genannten Pflanzen zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an Pyrrolizidin- Alkaloiden aus. * Photosensibilitätsreaktionen im Zusammenhang mit der Verfütterung von Luzerne, Schwedenklee ect. sind hinsichtlich ihres lichtsensibilisierenden Faktors ebenfalls nicht auszuschließen. Eine Photosensibilisierung der Haut kann auch durch Kontakt mit den entsprechenden Pflanzen (diese Stoffe können Licht bestimmter Wellenlängen absorbieren, ihre Moleküle werden dadurch aktiviert, übertragen die Energie auf Moleküle der Zellen und dies führt zu chemischen Reaktionen ,,Oxidationen" vor allem mit Proteinen und Aminosäuren. Ähnlich wie bei der Einwirkung ionisierender Strahlen kommt es zur Degeneration und Nekrose oder Permeabilitätsstörungen und Entzündungen) oder Auftragen von Arzneimitteln zustande kommen und den Charakter einer Photoallergie haben. Auch oral oder perenteral aufgenommene Arzneistoffe wie Phenothiazin, Sulfonamide, Tetracycline können manchmal derartige Reaktionen hervorrufen, wobei der Wirkungsmechanismus mehr im Bereich der allergierenden Photosensibilität anzusiedeln ist.
Chemische Pflege- und Imprägniermittel Allergene von chemischen Pflege- und Imprägniermitteln verursachen vor allem die sog. Kontaktallergie. Kontaktallergie: Pflanzenbestandteile, Wasch- und Pflegemittel, Insektizide und Medikamente, Inhalationsallergene, chemische- physikalische oder mechanische Irritationen Sie kommen sehr häufig in speziell für Pferde hergestellten Wasch- und Reinigungsmitteln, wie z.B. Pferdeshampoos oder Glanzsprays vor, aber auch in Konservierungsmitteln von Pferderegendecken. Auch in Pferdesalben, Lotionen, Lederölen oder chemischen Insektiziden wie Mückensprays finden sich Allergene, die Kontaktallergienauslösen können.
Kontakt- oder Schweißekzem
Symptome: Haarlose, geschwollene, entzündete und nässende Hautstellen, meist an Sattellage oder an Stellen, wo Trense oder Halfter den Kopf des Tieres berühren. Mögliche Ursachen: Allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe von Satteldecken oder Gamaschen, Gerbstoffe im Leder oder Stoffe in Salben, Lotionen oder Lederölen. Häufig Vorschädigung der Haut durch drückendes, scheuerndes Sattel- oder Zaumzeug. Schweiß und Staub erhöhen die Anfälligkeit zusätzlich.
Allgemeiner Leistungsabfall / Unwohlsein
Symptome: Leistungsabfall, Konditionsverlust, Abmagern, Appetitlosigkeit, stumpfes Fell, Durchfall Mögliche Ursachen: Allergie gegen bestimmte Futtermittel, Zusatzstoffe, Umgebungsallergene etc.
Erblich erworbene Veranlagung
Bei der Entstehung von Allergien sind zwei Faktoren maßgeblich beteiligt: Die erbliche und die erworbene Veranlagung Die Vererbungslehre unterscheidet zwischen den Phänotyp und dem Genotyp. Der Phänotyp (=äußeres Erscheinungsbild) stellt das wahrnehmbare Gesamterscheinungsbild eines Pferdes dar und ist das Ergebnis aus vererbter Anlage und der Umwelt. Der Genotyp (=Erbbild) beschreibt alle, also auch die nicht erkennbaren inneren Merkmale und Anlagen (Interieur, vererbte Krankheiten). Vereinfacht dargestellt werden bestimmte Merkmale dominant, rezessiv oder intermediär vererbt. Der Nachkomme erhält immer je ein Merkmal der drei vorher genannten Typen von je einem Elterntier. Ist ein krankheitsauslösendes Merkmal eines Elterntieres dominant oder intermediär, dann das für den Nachkommen der Grundstein für eine Erkrankung sein. Für die Erklärung der Vererbung von Erbkrankheiten oder Allergien kommt allerdings erschwerend hinzu, dass die oben genannten Merkmale auch gemischt bzw. kombiniert übertragen werden können. Erbkrankheiten und Erbfehler werden also hauptsächlich multifaktorell weitergegeben. Dabei können sie vererbten Merkmale überdeckt werden und erst erscheinen, wenn sie durch bestimmte Umweltfaktoren ausgelöst werden. Solche Umweltfaktoren können Ernährungsmängel, Haltungsfehler oder Stoffwechselstörungen sein. Ohne Zweifel muss auch die Neigung zu Allergien eines Pferdes zu den Erbfehlern gerechnet werden. Fest steht in diesem Zusammenhang, dass die vererbten Fehler von den Elterntieren in unterschiedlicher Weise an die Nachkommen weitergegeben werden. Diesen Umstand beschreibt die Genetik mit dem begriff der Heredität. Daneben schein erwiesen, dass Erbkrankheiten und Allergien vornehmlich von der Mutterstute stammen, weniger vom Hengst. Bei der erworbenen Veranlagung spielt das Zusammenwirken mehrerer äußerer Bedingungen eine wesentliche Rolle : *Zeit *äußere Einflüsse *Stress u.a. Es kann vorkommen, dass ein Pferd zum Beispiel im Rahmen seiner Aufzucht ständig mit bestimmten Stoffen konfrontiert wurde und auf diese Stoffe- zusammen mit einer geerbten Anlage- eine unterschwellige Sensibilität entwickelt hat. Dieses allergisch prädisponierte Pferd zeigt dann beispielsweise zehn Jahre keine allergische Auffälligkeit oder Symptom. Aber irgendwann kann es unter bestimmten äußeren Umständen plötzlich und ohne erkennbare Beeinflussung zum Ausbruch einer allergisch bedingten Erkrankung kommen. Steht der sensibilisierte Organismus also unter bestimmten Einflüssen, kommt es zur allergischen Erkrankung. Zu solchen Einflüssen zählt auch der Stress. Zumindest konnte festgestellt werden, dass durch steigende Stressbelastung das Immunsystem geschädigt wird und gleichzeitig die Allergiebereitschaft zunimmt. Solche Stresssituationen können beim Pferd die Trennung von Artgenossen, soziales Gerangel in einer Pferdegemeinschaft, Umzug in einen anderen Stall, aber auch Reitfehler, Training ect. sein.
Was tun bei einer Allergie? Auf jeden Fall den Tierarzt rufen. Er spritzt Antibiotika und kreislaufstärkende Mittel. Ebenfalls könnte auch eine Behandlung auf Eigenbluttherapie helfen.
Der Allergietest Bei Verdacht auf eine Allergie sollte zunächst genau ermittelt werden, ob das Pferd tatsächlich unter einer Allergie leidet und wenn ja, wogegen es allergisch reagiert.
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