Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 


zur Homepage





Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 922 mal aufgerufen
 Fragen, Anregungen, Mitteilungen usw.
Judith Marie Offline

Neu in diesem Forum

Beiträge: 6

16.03.2008 11:26
Gutgemeinte Ratschläge an alle Pferdebesitzer Antworten

Hallole an Alle !
Hoffentlih kommt das alles nicht altklug daher.
Aber vielleicht kann doch der eine oder andere aus " meinem " Schaden klug werden.
Folgendes vorab:
Wir halten unserer Tinker robust in Offenstall (12 auf 16 m) mit Auslauf (ca 1800 m ) und stundenweisen Weidegang . Reichlich Heu und Stroh ,Mineralien ,Öl, Zweige zum knappern, ab und zu Möhren und Äpfel . Die Damen leben also gesund und gut , das sagen auch Tierarzt und Hufschmied !
Gestern haben wir unsere große Tinkerstute Tippy , 9 Jahre, aus der Pferdeklinik abgeholt.
Sie hatte wohl von Natur aus den letzten Backenzahn im Oberkiefer doppelt, also direkt unter dem Auge.Der wuchs nicht hinter dem letzten sondern NEBEN dem letzten, Richtung Maulmitte aus dem Kiefer heraus. Durch diese Fehlstellung haben sich Spalten zwischen den Zähnen gebildet und dort hat sich das Futter angesammelt. Weiter hat sich das ganze entzündet und die Entzündung hat sich einen Weg in die Nasenhöhle verschafft. Den Ausfluß , der am Anfang noch recht geruchslos war, haben wir und die Tierärtzin als leichte Erklältung behandelt.
NIE hätte ich auf einen Zahn getippt: Sie hat sehr gut gefressen ,war nicht abgemagert , hat sich ganz normel reiten und auch Trensen lassen, hat Heucobs und auch Knabberzweige gefressen. Sie hat kein Futter fallen lassen und bildete auch keine Heuröllchen, auch nicht am Gebiss !!! Bei Ihr hat nicht ein Sympthom auf eine Zahnerkrankung hingewiesen, außer der einseitige Nasenausfluß.
Die Röntgenaufnahmen zeigten das ganze Disaster.
So mußten DREI Zähne gezogen werden, der doppelt angelegte Backenzahn und die zwei Nachbarzähne. Für die Insider Zahn Nr 210, 211 und 212 !!!
Da unsere Tippy eine Tinkerdame im XXL Format ist (1,60 Stockmaß ) waren auch die Zähne XXL . Alle drei ca 10 cm lang und ca 2-3 cm Durchmesser.Die OP dauerte von 10 bis 17 Uhr.
Die Zähne wurden durch die Maulhöle gelockert , und dann , über einen ca 2 cm kleinen Schnitt in der Backe gezogen mit endoskopischer Unterstützung.Operiert wurde unter Sedierung , in einem Behandlungsständer.Das andere Problem war die total vereiterte und zugeschwollene Nasenseite. Angeblich konnte Sie nur auf einem Nasenloch schnaufen.
Tippy war nach Abschluß der OP fit und konnte sofort wieder fressen.
Jeden zweiten Tag hab ich Tippy longiert , geritten oder auf dem Platz vom Boden aus gefahren. Leichte Arbeit , die Dame war nie klatschnaß geschwitzt. Nie gab es ein Anzeichen von Kurzatmigkeit oder anderen Problemen außer dem Nasenausfluß!!!
Mein absolut gut gemeinter Rat : Holt einmal im Jahr einen Dentisten oder Dentistin. Auch wenn es scheinbar keinen offensichtlichen Grund gibt !!! Wie gesagt, bei mir gab es keine Anzeichen, und laut Zahnarzt kann das ganze schon über Jahre dauern. Man merkt nichts , auch nicht die Tierärztin, die Tippy zweimal im Jahr routinemäßig untersucht und impft.Und selbst als der Nasenausfluß schon da war , war die Lunge frei.Leider haben drei Ärtzte den agressiven Ausfluß etwas unerschätzt, dadurch haben wir fast vier Wochen Zeit verloren , denn " das ist nicht so dringend, das ist nicht lebensbedrohend "!!!
Der zweite Rat: Schließt eine Krankenversicherung an , keine OP . Da alles während einer Sedierung gemacht wurde , greift eine OP Versicherung nicht .
Und wenn ein Zahn gezogen werden muß-geht zu einem Spezialisten. Manche Tierärzte meiseln von außen ein Loch in den Schädel und schlagen mit Hammer und Meisel den Zahn von außen raus. ABSOLUT gefährlich, behandlungsintensiv, und pferdeunfreundlich .Trotz der riesigen Außmaße der drei Zähne hat Tippy vom Zahnziehen nur den 2 cm Schnitt in der Backe und sicherlich etwas muskelkater in der Kiefergegend.
Füttert wirklich viel Heu und Stroh . Die meisten freizeitgerittenen Pferde kommen mit der richtigen Menge Heu und Stroh ( Grobes, nicht zu feines ),wenn möglich Weidegang,und mit dem richtigen Mineralfutter super über die Runden.
Die Nasenhöle muß jetzt jeden Tag mit 5 Liter Wasser gespült werden, damit der Eiter und der ganze Dreck rauskommt.Sie bekommt zweimal am Tag Antibiotika, alle drei Tage Zahnspülung und in 10 Tagen ist hoffentlich alles okay.
Drückt uns einwenig die Daumen .

Renate Offline

Mooshofgrufti

Beiträge: 676

16.03.2008 12:24
#2 RE: Gutgemeinte Ratschläge an alle Pferdebesitzer Antworten

Daumen sind auf jeden Fall gedrückt!!
Da kannst Du echt dankbar sein, dass Du die richtigen Spezialisten zur rechten Zeit gefunden hast. Auch wenn es länger als nötig gedauert hat bis die richtigen Entscheidungen getroffen wurden.
Das aber düfte wohl zum großen Teil daran liegen, dass Tinker nicht zu "Edelrassen" zählen, sondern eben als "Robust" gelten. Tinker können schließlich viel aushalten (zum Glück!) und bekommen auch deshalb (und weil der typische Tinkerbesitzer eben nicht mit der goldenen Kreditkarte zahlt) immer erstmal die Standartbehandlung. Dazu kommt sicher auch, das muß man den Tierärzten zu Gute halten, dass in einem Land das traditionelles Warmblutzuchtgebiet ist, die Erfahrung mit ungewöhnlichen Krankheitsproblematiken einfach fehlt. Es gibt eben die "Standart-Probleme" (Lunge, Beine, Rücken, Magen/Darm und zwei bis drei Infektionsgeschichten) und dafür das Standart- Vorgehen.

Dabei sind Zahnprobleme gerade bei Rassen wie dem Tinker nicht ungewöhnlich, wenn man sich den Entstehungshintergrund genauer ansieht. Ober- und Unterkiefer werden getrennt vererbt. Selbst bei Pferderassen die seit 20 Generationen dokumentiert gezüchtet werden, kommen immer wieder Einflüße von "Veredelungsanpaarungen" zum Tragen. Lange nicht mehr so häufig, aber es passiert trotz Reinzucht immer noch.
In einer Rasse, in der sich aber Pony, Kaltblut, Vollblut und Warmblut innerhalb der letzten 10 Generationen versammeln.....ist der Prozentsatz an Fällen von "daneben gegangener Kombination der Erbanlagen" logischer Weise sehr viel größer.

Daher ist Deine Geschichte von Tippys Krankeitsverlauf mit Sicherheit eine große Hilfe für viele Tinkerbesitzer.
Danke!

Und Toi Toi Toi dass nun alles schnell verheilt!

Grüßung
Renate

credendo vides !

Mooshof Offline

Administrator


Beiträge: 789

17.03.2008 18:04
#3 RE: Gutgemeinte Ratschläge an alle Pferdebesitzer Antworten

Hallo Judith

Da siehst Du mal weiviel Zähne in so einem Dinsosaurier Platz haben. Aber Spaß beiseite, ich bin erstaunt, was es alles gibt und leider auch erstaunt, was die Tierärzte so bei ihrem normalen Check alles übersehen. Ich hoffe, dass sich die "kleine" Tippy bald wieder erholt. Eine eitrige Nase kann viel bedeuten in einem anderen Fall hat man dann nach einem erfolglosen CT (hier floß ständig überlriechender Eiter aus der Nase) den Nasenkanal endoskopiert. Am Ende der Nasenscheidewand fand man einen Zaunlitze, die dort hing und vor sich hineiterte. Die Litze wurde mit dem Endoskop entnommen und dann war alles wieder gut. Kleine Urasache große Wirkung und ewig hatte man rumgedocktert.

Gruß Thomas

Wer glaubt gut zu sein - hört auf besser zu werden

Gast
Beiträge:

18.03.2008 10:49
#4 RE: Gutgemeinte Ratschläge an alle Pferdebesitzer Antworten

Hallole
Es ist halt so,das ich NIE darauf gekommen wäre , daß es der Zahn oder die Zähne sind. Und jetzt sieht es so aus , als ob die Nase mehr Probleme macht als die gezogenen Zähne.
Und dabei hat Tippy solch einen großen Kopf.
Ich habe versucht die Fotos von den Zähnen und Tippys rasiertes Gesicht.Mal sehen, ob es klappt.
Also bis dann

Angefügte Bilder:
PICT0008.JPG   PICT0009.JPG   PICT0015.JPG  
Renate Offline

Mooshofgrufti

Beiträge: 676

18.03.2008 11:41
#5 RE: Gutgemeinte Ratschläge an alle Pferdebesitzer Antworten

Boah. Die Dinger sind ja echt gewaltig.

credendo vides !

Fellwechsel »»
 Sprung  

> Bilder hochladen,hier!!<

Xobor Ein Xobor Forum
Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz