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Dieses Thema hat 15 Antworten
und wurde 2.466 mal aufgerufen
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Seiten 1 | 2
Mirja ( Gast )
Beiträge:

02.07.2007 02:51
Hengste: Frage an die Insider Antworten

Hallo!

Momentan noch ein reines Gedankenspiel:
Angenommen, ich würde einen Hengst suchen, der möglichst sportlich ist, viele Reitpferde-Points hat (Rittigkeit, Sattellage, Gebäude, etc...) und dies auch bereits in irgend einer Form unter Beweis gestellt hat - welche Hengste wären es wert, die nächsten Jahre etwas beobachtet zu werden? Und wo?

Wohl gemerkt: es geht nicht um tollen Behang und schicke Optik, sondern um eine nachvollziehbare Qualität in Sachen Charakter, Rittigkeit und Leistung.
Ich weiß, dass der klassische Typ bevorzugt wird - aber gibt es auch schlankere Typen, die irgendwo positiv auffallen?
Hätte jemand einen genialen Vorschlag, was man in einen sehr schlanken, sportlichen Vanner-Tinker einkreuzen könnte (wenn man es dann täte - ist alles NOCH theoretisch)?

Habe leider bei einigen "bekannten" Züchtern keine Antworten bekommen. Da kam zT nur auf die Frage: Was kann der Hengst denn? "Äääh, jaaaaaa, läuft auch vor der Kutsche und ist schon mal geritten worden....".
Freue mich auf konstruktive Beobachtungs-Hinweise für die Zukunft!

Renate Offline

Mooshofgrufti

Beiträge: 676

02.07.2007 13:00
#2 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten

Hallo Mirja,
zum einen wäre es sicher schöner wenn Du dich ordentlich anmelden würdest. Man weiß ja schon gerne mit wem man sich so unterhält (klar, machen andere auch nicht....) und wenn man schon mal wüßte, wie alt Du bist, wo Du wohnst und was genau hinter Deinem "theoretischen Gedankenspiel" steckt (also willst du nen Hengst kaufen, oder hast Du selber ne Stute und willst züchten und wenn was denn eigentlich usw.) wird die Unterhaltung sicher ergiebiger; weil man dann nicht nur Allerweltsblabla äußern kann, sondern gezielter antworten.

Im Einzelnen:
Was genau stellst Du Dir denn vor unter "dies auch bereits in irgend einer Form unter Beweis gestellt hat"? HLP auf Station oder Platzierungen im Turniersport und wenn ja in welcher "Sparte"; also Dressur A oder eher L oder was? oder Springen? oder Western? oder Barock?

Wenn Du nach solchen Pferden suchst, wäre es eine Idee, die Sache andersrum anzugehen und in den Ergebnisslisten der FN wühlen. Und kucken ob Du da etwas findest was einem Tinkerpferd nahekommt. Gibt ja auch genügend Mixe mittlerweile. Ausserdem gehen die wenigstens Zuchthengste so dauerhaft im Sport dass sie großartig in solchen Veröffentlichungen auffallen (denn wir reden ja von "Tinkerhengsten" und da ist nach wie vor die Besamung im Natursprung gang und gäbe was nun mal saisonal zeitaufwändiger ist).

Wenn dir darüber hinaus die Rassemerkmale eh nicht wichtig sind, stellt sich überdies die Frage was genau Du denn erreichen wollen würdest mit der Frage
"Hätte jemand einen genialen Vorschlag, was man in einen sehr schlanken, sportlichen Vanner-Tinker einkreuzen könnte". Willst Du "rein theoretisch" einen warmblutgeprägten Barockpinto schaffen? Oder ein kleines deutsches Reitpferd ohne zuchttaugliches Pedigree? Oder einen modernen "Friesenschecken"?

Es stellt sich ja zuerst immer die Frage, was man erreichen will, wenn man Pferde anpaart. Tinkerpferde zu "mixen" ist generell keine gute Idee, denn die genetische Grundlage ist nicht so fest fixiert, dass man da kunterbunt rummischen kann, ohne ganz böse Überraschungen (für die Nachzucht!!!) zu erleben.
Überdies laufen bereits mehr als genug Pferde durch die Landschaft, die zwar aus irgendwelchen Gründen als "Tinker" eingetragen sind, aber definitiv keine mehr sind. Es gibt sicher auch die leichte Version als halbwegs konsolidierte Zuchtrichtung; aber da wo nichts mehr an einen Tinker erinnert, weil der Kötenbehang nur mehr rudimentär mit viel Enthusiasmus erkennbar ist, der Charakter eher dem eines Blüters entspricht und das Exterieur auf ein Reitpony schließen läßt, braucht man sich über "Tinkerzucht" nicht mehr unterhalten. Das ist dann was ganz anderes. Vielleicht "Reitpony- Lewitzer - Neubauversuch der dritte" oder so.

Vermutlich hast du auch deshalb bisher keine Antworten bekommen - denn Wer mit Herz und Verstand Tinker züchtet, für den ist eine solche Thematik einfach kein Thema.

Nichts desto Trotz gibt es eine ganze Reihe Tinkerhengste (und auch Wallache und Stuten!!), die auch sportliche Erfolge vorweisen können. Aber der Tinker ist und bleibt nun mal keine Sportpferderasse. Im Fahrsport gibt es einige Hengste die sehr erfolgreich sind/waren. Spontan fällt mir da Cracker ein.
Und was den Reitsport betrifft: es mangelt auch nach wie vor an den Möglichkeiten, für geeignete Turniere zu nennen. Denn mit einem evtl. auch noch bunten Pferd in einer Dressurprüfung oberhalb von E/A anzutreten.....da tun sich selbst die Warmblutschecken sehr schwer. Unabhängig von ihrem Können und ihrer Leistung. Da auch noch Haare an den beinen zu haben und wenig Ganaschenfreiheit und keine Gänge wie eine Elfe.....ist gleichbedeutend mit sich und seinem Pferd die "Witzkarte des Tages" ausstellen zu lassen. Wer tut sich das denn freiwillig längere Zeit an?

Vielleicht hilft Dir das alles etwas weiter in Deiner theoretischen Erwägung.

Grüßung
Renate

credendo vides !

Mirja ( Gast )
Beiträge:

02.07.2007 20:55
#3 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten

Hallo Renate,

jepp, das hilft mir. Vielleicht wollte ich das auch nur noch mal hören, um die gelegentlich auftauchenden Überlegungen, mal eines Tages ein Fohlen aus meiner untypischen Tinkerstute zu ziehen, mal besser ganz schnell wieder wegzuschieben.
Nichtsdestotrotz gibt es eben Hengste, die super aussehen - aber wenn die so gar nix können, ist das dann nicht auch nur Vermehrung nach farblichem Geschmacksmuster? Und mich hat es irritiert, von den drei oder vier Züchtern, die ich angerufen habe, keine klare Aussage zu bekommen. Reicht ja z.B. auch ein: "Kann M-Lektionen gehen, wird nicht im Turnier eingesetzt, aber wir können es vorreiten."

Nebenbei: ich dachte, ich wäre angemeldet, weil ich schon ewig hier mitlese und im alten Forum auch viel geschrieben habe. Komme aus Niedersachsen, bin Mitte 30.

Mirja

Renate Offline

Mooshofgrufti

Beiträge: 676

02.07.2007 22:39
#4 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten

Da wäre ja mal ein Foto Deiner "untypischen" Tinkerstute nicht verkehrt; dann könnte man sich schon eher Gedanken dazu machen, was generell dazu passen würde.
Die Sache mit der "Vermehrung nach farblichen Geschmacksmuster" würde ich eher mal vorsichtig angehen. Wir reden hier ja wie gesagt nicht von einer Sportpferderasse. Punkt eins.
Punkt zwei: viele der gekörten Tinkerhengste haben mittlerweile auch eine HLP abgelegt (also eine "echte" - nicht sowas wie an der Hand zwei Runden im Trab ohne umzufallen) und auch diese ist je nach Zuchtverband und Angebot erstmal eine durchaus sportliche Hürde. Wir reden von Minimum A Niveau bis hin zur Stationsprüfung über mehrere Wochen (was sich jedoch nicht durchsetzen wird, weil kein Hengsthalter das Risiko eingehen will, einen seelisch oder körperlich kaputten Hengst wieder zu bekommen, weil die Prüfungsstationen nicht auf solche Rassen wie Tinkerpferde eingestellt sind).
Darüber hinaus sagt eine "klassische HLP" wie bei den Warmblutpferden üblich, eigentlich überhaupt nichts aus über den Charakter eines Pferdes im Alltag. Und auch die gezeigte Leistung ist abhängig davon, was sich der Hengsthalter a)finanziell leisten kann und b) bereit ist seinem Tier zuzumuten.

Zurück zur Thematik beim Tinkerpferd muß man klar sehen, dass die typischen Kriterien wie der Beurteilung der Sportpferderassen (z.b. Zuchtwertschätzung, Ergebnislisten im Jahrbuch Sport ect.) beim Tinkerpferd nicht greifen können, weil einfach keine Vergleichsdaten vorliegen. Da laufen ja nicht auf jeder Leistungsprüfung 15 Tinkerhengste, sondern meist trifft man da einen oder zwei, die gemeinsam mit Stuten und Wallachen und Hengsten anderer "Spezialrassen" eine Eintagesprüfung ablegen.
Und das geritten, oder gefahren, oder Western geritten oder geritten und gefahren. Wie gesagt je nach ZV und Bundesland und Prüfungsstation unterschiedlich. Einen direkten Vergleich anzustellen fällt da naturgemäß schwer. Erschwerend käme hinzu, dass ja auch nicht unterschieden wird, ob es sich um einen leichten Tinker handelt oder um einen vom schwereren, kompakten Typ, oder um ein typisches Tinkerpony oder ein groß gewachsenes Exemplar. All das müßte man wissen.
Dass viele Tinkerhengste ausser "schön sein nicht viel können" ist eigentlich zweitrangig in anbetracht des Umstandes, dass eine Ausbildung ja nicht vererbt wird. Der Charakter aber schon. Genauso wie das Gebäude. Und wo die körperlichen Grenzen im Bezug auf einen sportlichen Reiteinsatz angelegt werden können, kann man am Exterieur klar festmachen.
"Kann M-Lektionen gehen" ist da nicht unbedingt ein Punkt der Aussagekräftig ist, wenn es um die Vereberqualitäten eines Hengstes geht. Bis zu einer korrekten M-Reife im Turniersport wird es eh kaum ein Tinker bringen, ohne nach ein paar Jahren seelisch und vor allem körperlich kaputtzugehen. Das sind wirklich Ausnahmen, die die körperlichen Vorraussetzungen mitbringen und tatsächlich die abgestumpfte Leidensfähigkeit eines Armeepferdes wie dem deutschen Warmblutes aufbringen. (das soll nicht heißen, Warmblutpferde wären doof, sondern sie besitzen eine über viele Generationen durchgezüchtete innere Arbeitshaltung, die für eine solche "Karriere" Vorraussetzung ist)

Wenn jedoch ein Tinkerhengst eine gute Exterieurbewertung hat, gute Körnoten, eine ansprechende HLP abgelegt hat und dann im "Nebenberuf" noch Voltigierpferd, Kinderreitpferd, Fahrpferd, Freizeitpferd, Wanderreitpferd, Anfängerlehrpferd, Therapiepferd ect. ist und überdies sich problemlos auf Veranstaltungen und öffentlichen Umzügen zusammen mit Stuten und Hengsten und Wallachen vorführen läßt und vielleicht ab und an auch noch ab und zu auf Turnieren startet - ist das sicher für diese Rasse das Optimum an "Leistung", das ein hochdotiertes Sportpferd erstmal erreichen muß.

Das ist meiner Meinung nach auch sehr viel höher zu bewerten als die vielen schlimm zusammengeschnürten Friesen die mehr schlecht als recht geritten durch die Barockturnierszene geistern.

Wenn Du grundsätzlich in Richtung Sportpferd tendierst und Dir vorschwebt aus Deiner Stute einen "Tinker für den größeren Reitsport" zu ziehen......
stellt sich mir spontan die Frage, warum Du überhaupt einen Tinker hast. Und ob es nicht dann sowieso besser wäre, gleich in die "Barockpintoschiene" zu wechseln.

Es gibt meiner Meinung nach nichts schlimmeres für jede Pferderasse, als das Bestreben sie zu etwas anderem zu machen, nur um einem kurzlebigen Zeitgeist hinterherzuhecheln. Das hat schon zu viele Pferderassen im wahrsten Sinne völlig ruiniert. Die leichten Tinker hatten immer ihre Daseinsberechtigung - aber auch sie sind nie als Reitpferde gedacht gewesen, sondern als leichte Fahrpferde.

Das klassische Zuchtleiterstatement "es gibt nur einen korrekten Körperbau und der entspricht nun mal dem des deutschen Reitpferdes" unterschreibe ich definitiv nicht. Es gibt m.E. für jeden Zweck die geeignete Pferderasse (darum gibt es ja diese Vielfalt) und diese sollte man innerhalb ihres angedachten Verwendungszweckes mit Weitsicht und Verstand erhalten und verbessern ohne die grundsätzlichen Rassemerkmale einem Modetrend zu opfern.

Ein Tinkerpferd muß nicht im Sport bestehen können; dafür gibt es Sportpferde. Es käme ja auch niemand auf die Idee, den Holsteiner zum Galopprennpferd zu "verbessern" oder den Norweger zum "Gangpferd". Oder das süddeutsche Kaltblut zum Dressurpferd. Oder den Araber zum Springpferd.


Grüßung
Renate
p.s. Danke für die "Nebenbeimitteilung".


credendo vides !

Mirja ( Gast )
Beiträge:

04.07.2007 00:25
#5 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten

Hey Renate,

ich habe mir schon beim Schreiben des ersten Postings gedacht, dass Du darauf antworten wirst! :-)
Es gefällt mir, dass Du so differenziert in die Thematik einsteigst!
Ich lese seit ca. 4 Jahren mit (so lange habe ich meine Stute) und habe einfach gerade Spaß an einer kritische Diskussion.
Für mich ganz persönlich ist das Tinkerbild relativ frei von den Zuchtgedanken und Anforderungen, die das europäische Festland irgendwann mal festgeschrieben hat. Aber das ist wirklich ganz persönlich, ich will nicht züchten und respektiere die festgeschriebenen Zuchtlinien - die mich allerdings etwas vom ursprünglichen Tinker-Pony meiner Vorstellung entfernen.

Manchmal scheint es halt, als würde mit der Zucht ähnlich umgegangen wie bei den Pintos. Die haben zum Teil - grob gesagt - auch mehr hübsche Scheckungen als gute Körper. Und ich habe mal gelernt, dass Zucht Verbesserung heißt und nicht nur Vermehrung. Auch da sehe ich in der Branche manchmal etwas sehr interessante Phänomene.
Ich persönlich finde es schade, dass die Vanners züchterisch unerwünscht sind. Für mich sind Tinker in ihrem Ursprung vielfältiger als nur im Cob Typ.

Ja, der Charakter ist absolut wichtig! Aber auch die Bereitschaft, Leistung zu bringen bzw. sich für den Menschen einzusetzen. Charakterleistung ist für mich extrem viel wert!
Vielleicht liegt es an zu vielen gesehenen, nicht funktionierenden Beziehungen, die das Bild ins Wackeln brachten? Und an zu vielen Stories über Exzemer-Deckhengste und welchen in Boxen-Haft, um alles erstmal gut zu finden, was hübsch und gescheckt ist?

So manche Hengste gefallen mir sehr, aber bevor ich auch nur annäherend plane, ob da was geht, würde ich diese gerne etwas beobachten. Ein super verlässliches Voltigierpferd ist für mich eine Leistung. Nicht aber, nur Sperma abzupumpen.

Eigentlich war ich immer der Meinung, dass meine Stute sich wegen nicht perfektem Exterieur nicht (noch mehr) vermehren solle. Die Zitzen zeigen, dass sie das wohl schon in der Heimat getan hat. Vermutlich ist Traber drin.
Sie ist aber dermaßen klasse leistungsbereit, dass ich manchmal gedanklich schwach werde, es doch zu tun. Aber in ferner, ferner Zukunft (5 -7 Jahre???). Wenn überhaupt. Sie ist im Distanzsport gerade in den Langstreckenbereich vorgedrungen. In dieser Sportart gibt es deutschlandweit überhaupt nur 3 oder 4 Tinker(mixe)- von schätzungsweise 3.000 Aktiven insgesamt, der Rest sind überwiegend Araber, und die will ich eigentlich nicht einkreuzen.
Mein Kopf sagt: freu Dich über den Zufall und belasse es dabei.
Mein Herz sagt: es wäre doch wunderbar, einen Gen-Anteil davon zu behalten. Nur: mit wem und wie?

Ich weiß, das hat mit klassischen Tinker-Idealen nichts zu tun. Deshalb ist alles rein theoretisch. Aber mir gefallen Hengste wie Asterix (kein Tinker, aber ein ziemlich guter, bunter Zuchthengst mit irrem Körper) oder "hübsche" Hengste wie Cardigan, und mit viiiiiel Zeit zum überlegen kann man ja auch mal "rumspinnen", ob und was eventuell doch sinnig wäre. Oder auch nicht.

Sollte es mal einen geeigneten Vererber geben, sollte er das Fundament verbessern, einen guten Rücken samt guter Sattellage haben (ich verkaufe Sättel, und Tinker sind da nicht die leichtesten Kunden), nicht zu enge Ganaschen, einen guten Untertritt, viele Reitpferde-Points. "Zuchtziel" wäre nicht an eine Disziplin gebunden, könnte theoretisch auch ein "Zirkustalent" oder "Kutschenfreak" sein. Aber ich will eben auch keine planlose Vermehrung nach dem Motto: "Meine Stute ist so toll, dann nehmen wir mal einen tollen Hengst." So einen Quatsch will ich nicht. Und mit einem "Tinker außer der Reihe" muß ich einfach 28x so viel überlegen.

Mirja





Renate Offline

Mooshofgrufti

Beiträge: 676

04.07.2007 10:31
#6 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten
Na dann können wir ja mal ne richtige Diskussion führen - freut mich!!

Das was auf dem europäischen Festland (und ganz besonders in Deutschland) mit den Tinkerpferden passiert ist - gefällt mir auch nicht. Ich hätte es gerne anders gehabt. Aber alles kämpfen, diskutieren, debattieren, hat letztendlich nicht gereicht um gegen altbackenes Zuchtdenken und festgefahrene Vorgehensweisen anzukommen. Mit ein Grund, warum ich irgendwann an dem Punkt war, für mich das Thema Arbeit in Zuchtverbänden abzuhaken.
Deshalb gehen wir nun einen eigenen Weg und machen das was schon vor 10 Jahren nötig gewesen wäre, eben selber.

Die Tinkerpferde hatten nie eine Lobby und die Entwicklung verläuft tatsächlich ähnlich wie bei den Pintos. Kein Selbstbewußtsein und kein Rückrat und kein Mut. Jeder ist sich selbst der nächste, die Pferde an sich sind dabei Nebensache. Es geht um Image und Prestige. Denn es geht um Geld. Nicht um die Rasse.

Züchten heißt verbessern, richtig. Züchten bedeutet auch, zu erhalten. Viele alte und seltene Pferderassen, die kurz vor dem Aussterben standen, konnten nur durch eine Erhaltungszucht gerettet werden.
Eine Rasse wie die Tinkerpferde, von denen niemand wirklich genaues weiß, muß deshalb grundsätzlich erstmal als Erhaltungszucht gesehen werden. Niemand kennt den Inzuchtfaktor und aufgrund der mangelnden Abstammungsnachweise der Zuchtgrundlage weiß bis heute niemand wie groß die genetische Variabilität beim Tinker/ Irish Cob war als damit angefangen wurde ihn in Zuchtbücher einzutragen; geschweige denn wie es heute aussieht.
Schon vor 10 Jahren hätte man deshalb hergehen müßen und die Tiere genetisch erfassen, vermessen und Kategorisieren müßen. Denn damals waren die unterschiedlichen Zuchtrichtungen die es immer schon gab, noch halbwegs deutlich zu erkennen.
Aber damals wußte keiner irgendwas und man konnte jedes Pferd, das Haare an den Füßen hatte, als Tinker eintragen lassen. Heute sind wir soweit, dass sogar Pferde völlig ohne Kötenbehang als Tinker eingetragen werden und dafür aufgrund ihrer Reitpferdeeigenschaften und Leistungsbereitschaft mit Prämien gefördert werden. Das ist für die Erhaltung der Tinkerzucht der Todesstoß. Denn jede Rasse besteht aus vielen einzelnen Faktoren und eine "Verbesserung" auf Kosten der Rassemerkmale ist nichts anderes, als das vernichten der Ursprungsrasse.
Den Mut innerhalb der Rasse mit Verstand zu selektieren und vor allem, gezielte Zuchtberatung zu betreiben, hat kein Zuchtverband aufgebracht; denn jedes Pferd bringt Geld. Punkt. Um mehr geht es nun mal nicht.

Dass der Vanner züchterisch unerwünscht ist, entspricht nicht den Tatsachen die ich so zu sehen bekomme. Es laufen ja sogar Staatsprämienstuten durch Deutschland, die den Körperbau eines kleinen deutschen Reitpferdes haben und völlig schmerzbefreit auch ohne Kötenbehang als Tinker im Zuchtbuch stehen.

Das Problem liegt nach all den Jahren Zucht nach wie vor darin, dass sich die Zuchtverbände ausser Stande sahen und sehen, sich um die Grundlagen der Rasse zu bemühen, sondern eben ganz nach deutscher Zuchtkultur, lediglich Zwei Arten von Pferden kennen. Reitpferde und Kaltblutpferde = Nutztiere.
Will eine Rasse als Reitpferd gelten, wird sie dementsprechend "verbessert" und gilt eine Rasse als Nutztier wird sie "erhalten". Schublade auf - Schublade zu. Der ganze exotische Rest der "Pferde der Welt" läuft unter "Spezialrassen" und wird eben so behandelt wie es das Ursprungsland vorgibt; was natürlich nicht heißt, dass nicht trotzdem versucht wird "was ordentliches" draus zu machen. Im Zweifelsfall muß man das Ergebnis dann eben irgendwann umbenennen.


Für die Tinkerpferde/ Irish Cobs (sofern es denn zwei Rassen sind) hätte man von je her alle drei Vorgehensweisen gleichzeitig anwenden müßen um ihnen gerecht zu werden. Dann gäbe es heute sicher weniger Chaos und Verwirrung und züchterischen Wischiwaschi.

Denn wir sind ja mittlerweile an einem Punkt, dass niemand mehr vorraussagen kann, was bei einer Anpaarung passiert.
Genetisch betrachtet treffen im Tinkerpferd je nach Zuchtlinie dominante und latente Merkmale des Kaltblutes, des Warmblutpferdes, Des Blüters und des echten Ponys aufeinander.

Dies zu konsolidieren und trotzdem die Rassemerkmale zu erhalten - das wäre der Weg, den Tinker in seiner Vielfalt zu erhalten.

Wir haben hier auch eine Stute stehen, die eindeutig Trotterblut führt. Und die mit den daraus resultierenden Ergebnissen der genetischen Mixtur leben muß. Für mich wäre sie ein "Zuchtendprodukt" und doch hat auch sie eindeutig schon viele Fohlen gehabt. Die Iren und Engländer, die seit Generationen Erfahrung mit der Zucht der Tinker haben, haben also durchaus gewußt was sie erreichen wollen und diese Anpaarung als F1 betrachtet. Vielleicht hin zum "Vanner" mit verbesserter Trabaktion? Wer weiß.
Es sind ja im Laufe der Jahre (grade in der Anfangszeit)viele "ausrangierte" Zuchtstuten hier gelandet. Wir haben auch eine Omi (geht auf die 30 zu), die sehr fein gebaut ist und auch einen sehr feinen Charakter hat. Ein Blüter durch und durch; aber mit 1,40 Stm und wunderbarem Behang. Auch das ein Zeichen dafür, dass wir bis heute so gut wie nichts wissen über diese Rasse und ihre Entstehung.
Darum macht mich die Arroganz, mit der jeder Zuchtverband Europas sich das Prädikat "Wir wissen bescheid und machen alles ganz toll" auf die Fahnen schreibt - immer wieder leicht wütend.

Und offengestanden - lieber ist es mir persönlich, es wird momentan drauf geachtet den Typus "viele Haare rundrum" zu erhalten, als auf irgendwelche Reitpferdepoints zu spechten. Darüber hinaus macht doch sowieso jeder mit dem Tinker was er will.


Mit Asterix meinst du den Asterix von Axel Wittenberg?
Uii - mutige Idee. Aber nicht abwegig. Und auf jeden Fall ein sehr guter Hengst.
Cardigan wiederum würde Dir eine stabilisierte Tinkerlinie reinbringen.
Aber wie ich das sehe, sind Deine Vorlieben ja eher die leistungsorientierten Betätigungen; da wäre ein Candiman meiner Meinung schon wieder zu kalibrig und würde evtl. den Schweren "Unterbau" (genetisch)deiner Stute verstärken, nicht aber das Blütige ausgleichen.
Ich empfehle eigentlich immer jedem, der mit "Mixen" weiterzüchten will, sich von der Idee des Tinkerpferdes gänzlich zu verabschieden und in Richtung Warmblut weiter zu gehen. Weil eine eingebrochene Halsoberlinie und ein massiver Unterhals (was meistens passiert sobald da "Blut" reinkommt) und dazu noch ein längerer Rücken mit der immer noch steilen Hinterhand - ich denke da hilft nur noch mehr Blut.

Grüßung
Renate

credendo vides !

Teuferle Offline

Mooshoffan

Beiträge: 96

04.07.2007 21:27
#7 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten

Hallo ihr beiden,

nettes Thema habt ihr da.

Ich will erstmal klarstellen ... ICH HABE KEINE AHNUNG VOM ZÜCHTEN!!!

Bei der Anschaffung meiner beiden Pferde habe ich mich deshalb bewusst für Wallache entschieden. Einfach und alleine aus dem Grund, damit ich nicht in Versuchung geführt werde und (wie leider viel zu viele) "wild" rum züchte/vermehre.

Lustigerweise hatte ich heute mit einer Bekannten das Thema, daß ich den Charakter, Leistungsbereitschaft und vorallem die Lernfähigkeit meines Tinker (8 jähriger Wallach) so super finde, daß ich ihn am liebsten "geklont" haben möchte. (rein theoretisch natürlich :)

Bei der anschließenden Dressurstunde wurde ich dann wach gerüttelt. Er lief wie immer freudig und eifrig ... genauso wie mein Opi (30 jähriger Welsh-Hafi). So gut wie die gleichen Bewegungsabläufe, die gleichen Macken und die gleichen Stärke. Das hat mich nachdenklich gestimmt ... und es wurden weitere Paralelen offensichtlich

(z.B. flottes Grundtempo (Schritt) im Gelände, beide zerstören Zäune, beide wälzen gerne in der Box, beide sind sehr fotogen :), beide sind neugierig, beide lieben Hunde und Katzen, beide hassen langes Stehenbleiben, beide haben dicke Bäuche, beide mögen keine Gummibärchen aber Salzstängchen usw. usw.)

Was ich damit sagen will ist das sich Mirja das mit dem Decken ihre Stute nochmal überlegen sollte .. schließlich birgt der Deckakt, die Trächtigkeit und die Geburt ja auch Gefahren für die Mutter. Stattdessen sollte sie (wenn sie ein weiteres Pferde möchte) sich nach einem umsehen, das ihr zusagt (äußerlich wie auch rittig).

Hoffe ich konnte noch einen weiteren Denkansatz in eure fröhliche Runde werfen.

Gruß Danny


http://www.o-ritt-kalender.de.vu

Wenn der Mensch je eine große Eroberung gemacht hat, so ist es die,
dass er sich das Pferd zum Freunde gewonnen hat.
(Conte de Buffon)

Renate Offline

Mooshofgrufti

Beiträge: 676

05.07.2007 08:46
#8 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten
Hallo Danny,
Die Quintessenz Deiner Aussage ist also: jeder bekommt immer das Pferd das er sich macht.
Da hast Du recht.
Insofern ist mit der Zucht immer nur die "Grundlage" geschaffen. Was aus jedem Pferd wird, entscheidet der Mensch der es mit Erfahrungen "füttert".

Und natürlich ist züchten auch ein Risiko; unbestritten. Wer sich mit dem Gedanken beschäftigt zu züchten, sollte meiner Meinung nach auch im Vorfeld soviel Wissen gesammelt haben, um über alles was es zwischen einer Bedeckung und einem gesunden Absetzer an Unwägbarkeiten, an wunderschönen und grausamen Momenten geben kann, bescheid zu wissen.
Die meisten Menschen, die sich mit dem Gedanken "ein Fohlen aus meiner Stute" beschäftigen, haben nur das Bild vom fröhlichen, gesunden, wohlgebauten und springlebendigem Fohlen und der glücklichen stolzen Mutterstute vor Augen.
Die Realität ist eine andere, die aber aus nachvollziebaren Gründen meist sehr viel weniger Raum einnimmt in der Öffentlichkeit. Wer mit den grausamen und traurigen Momenten konfrontiert wird, spricht meist nicht darüber.

Deshalb fände ich persönlich die Möglichkeit, Seminare über Zucht und Aufzucht zur Pflicht zu machen oder sie wenigstens flächendeckend anzubieten, eine der Hauptaufgaben der Zuchtverbände.

"Hoheitliche Aufgaben" beschränken sich m.M. nicht nur auf das Ausstellen von Papieren oder die Bewertung des Exterieurs - die Verantwortung beginnt am Anfang. Und der Anfang sollte es sein, zu lernen; und zu lehren.

Grüßung
Renate

credendo vides !

Mirja ( Gast )
Beiträge:

06.07.2007 00:30
#9 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten

Super Postings von Euch!

Bin schonmal ganz happy, dass wir hier diskutieren können, ohne von Dogmatismen zerfleischt zu werden :-)

Renate, zu Deinem letzten Absatz - den mit dem Einkreuzen von "Blut" - da würde ich gerne noch mehr Fakten und Konsequenzen erfahren... wenn Du da was weißt: bitte her damit!
Ja, genau jenen Asterix meine ich :-) Der wird auch in der Distanzszene angeboten, wo momentan gescheckte Araber en vogue sind. Üblicherweise werden wohl Pintos eingekreuzt. Meine Trainerin stellt einen gekörten Lewitzer-Hengst auf Distanzen vor, bei dem alle in die Knie fallen - nur wenn sie die Rasse hören, ist das Interesse nicht mehr so hoch.
Diese Fixiertheit auf Rassen irritiert mich.

Teuferle: Jepp, alles schon gemacht, der Nachwuchs wird im Winter eingeritten. Er entspricht (wie meine Stute) absolut meinen Vorstellungen und ist doch wieder untypisch: ein quietschbunter Appaloosa mit den Bewegungen und dem Körperbau eines Arabers, ökonomische Bewegungen (nicht spektakulär, aber tänzerisch), schon mit 6 Monaten absolut scheufrei, menschbezogen wie ein Schoßhund, Charakter wie ein Stofftier :-), aber voller Power und Lauflust! In seiner Freizeit springt er Kapriolen und fliegende Wechsel auf der Weide und bringt jeden zum Lachen.
Irgendwie ist er auch ein bißchen Grund für dieses Gedankenspiel, denn seine Hoden flogen mit einem Jahr, und das bereue ich gentechnisch zutiefst. Die beiden Pferde sehen sich ("natürlich") ähnlich (ist wohl mein Geschmacksmuster) und würden sich perfekt ergänzen.
Ja, so oder so, wäre ich ausschließlich an einem Zuchtendprodukt für meinen privaten Bedarf interessiert. Und ich sage ja auch zu 80-90 % nein - weil ich mich nicht in die Riege der Liebhaber einreihen will, die es soooo süß finden, wenn kleine Fohlen auf der Koppel rumspringen. Wie teuer und risikoreich das ist, weiß ich, und genau deshalb frage ich schon Jahre vor einer möglichen Umsetzung so genau, aber ganz unverbindlich in die Runde, ob es irgendwo eine Lücke gibt, die ich vielleicht einfach noch nicht kenne.

Nochmal ins Konkrete:
Renate, Candiman ist ein Traum, aber dass der nicht zu meiner Stute passt, ist mir klar. Ich kenne eine Tochter von ihm: schöner Tinker, aber eher barock.
Übrigens gibt es tatsächlich viele Tinker-Arabermixe. Bei denen, die ich kenne, schlägt körpertechnisch immer der Tinker durch. Nur die Psyche ist Araber und wohl nicht für jedermann was. Ich wollte diese Kombi nicht haben. Traber fände ich auch zum "verbessern" nicht geeignet, und die Warmblutschiene ist indiskutabel, das verwässert ja den gesamten Pony-Typ.

Bin gespannt auf Eure Beiträge!

Mirja

Renate Offline

Mooshofgrufti

Beiträge: 676

06.07.2007 11:27
#10 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten

Hmm, da wäre es wirklich spannend, mal ein paar Fotos von Deiner Stute zu sehen.
Was die Araber- Schecken betrifft: da sind aber mittlerweile sehr viele dabei, die wieder bei über 95% Araberblut sind; also Warmblutpintos direkt werden da denke ich gar nicht mehr oft eingekreuzt. Würde "papiertechnisch" heute kaum noch Sinn machen für nen Züchter.
Und das ist vermutlich auch der Grund für den "Rassefetischismus" den Du ansprichst. Klar kann da ein Lewitzer super Leistungen bringen und ein Exterieur haben "zum niederknien"; aber er bleibt nun mal ein Lewitzer. Was für einen Züchter bedeutet: entweder - oder. Weil egal mit was angepaart (ausser Lewitzer aus der erlaubten Gruppe), die Nachzucht kein volles Papier bekommt und damit für die weitere Zucht "aus dem Rennen" ist.
Der Mensch neigt nun mal dazu, Neues zu schaffen und Auszuprobieren und gleichzeitig wird Deutschland ja regiert von einem sehr stark verinnerlichten "Din- Norm Zwang". Also ist einerseits alles was "genormt und geprüft" ist ein Zeichen für Qualität und andererseits der Ausbruch aus diesem Muster ein innerlicher Antrieb.

Tja, "Arabo-Tinker" sind mir auch schon vor vielen Jahren unter die Augen gekommen und auch der neueste Trend in Sachen "Rhabarberblut tut immer gut", der "Arabo-Friese", läßt mich nur mehr den Kopf schütteln. Offenbar war der Lerneffekt aus dem Arabo-Haflinger Desaster nicht von langer Dauer.


Es gibt unbestritten sehr viele Megamixe (also über mehrere Generationen bunt durchgewürfelt) die enorme Qualitäten in allen Bereichen zeigen. Reinrassigkeit und gar Linienzucht sind noch nie der Garant gewesen für Gesundheit, Langlebigkeit und Erfolg. Denn dann müßten ja hunderttausende von Superpferden die Ställe bevölkern. Die Natur ist da immer schon einen anderen Weg gegangen um sich weiter zu entwickeln. Aber in der Natur wurden und werden die "Fehlversuche und Überproduktionen" eben auch konsequent wieder "ausgemerzt" und diese Einstellung fällt dem Menschen, der Tiere in seiner Obhut und Verantwortung züchtet weil er sie mit Liebe betrachtet und nicht mit Pragmatismus, eben zu schwer. Und wenn ich mir manchmal das Brimmborium so ansehe, das in der Pferdezucht teilweise betrieben wird, um diese eine Stute mit diesem einen Hengst anzupaaren, weil die Papiere so toll sind, oder die zu erwartende Leistungssteigerung und Qualitätsverbesserung einfach zwingend diesen Schritt verlangt......ufff. Da wird gespült, gespritzt, spezialgefüttert, ganze Tierarztgenerationen leben mittlerweile von künstlicher Befruchtung, Emryo Transfer und Gynäkologie beim Pferd...und nebenan auf der Weide vom Bauern bekommt die 25 Jahre alte 1,70 Stm. Kaltblutstute unvermittelt vom Beistellshettyhengst ein Fohlen.
That`s life.

Um zum Thema zurückzukommen

Fakten und Konsequenzen beim einkreuzen von "Blut" bei einem Tinker....puuh.
Ich denke es wäre wichtig, da mit etwas Phantasie in Richtung Vergangenheit zu schauen, um eine Ahnung von der Zukunft zu bekommen. Die These, dass bei der "Reinzucht" die "Großvater/Großmutter-Generation" immer gern durchschlägt, scheint z.B. zu stimmen. Sowohl was das Exterieur als auch die Farbe(sogar die Zeichnung!)und den Behang betrifft. Und ich habe den Eindruck, dass es gewisse Stutenlinien gibt, die sehr dominant sind. Was sich auch durchaus erklären läßt, wenn man bedenkt, dass die verschiedenen Einflüße durch andere Rassen bei der Entwicklung der Tinkerpferde, hauptsächlich durch die Hengste erfolgte.
Der rigorose Einfluß von Pferden "blütigerer" Rassen z.T. gleich auf die erste Generation zeigt aber auch wie sensibel die Genmixtur im Tinker behandelt werden muß. Den gewissen "Trick 17 mit Falltür" kennen wohl nur ein paar wenige Züchter; und die leben vermutlich in England und Irland.
Deshalb bleibt "Tinkermixen" bei uns wohl weiterhin ein Lotteriespiel. Zumindest bis wir soweit sind, die genetischen Daten der hier lebenden Tinkerpferde wissenschaftlich auszuwerten.

Asterix als Araber wäre bei Deiner Stute zwar vermutlich ein "Leistungsbringer" aber ich bin mir nicht sicher, ob er die Gebäudemängel graderichten kann. Er ist ja eher zierlich und langbeinig. (im Vergleich zum Tinker allgemein).
Du sprichst da auch von "Pony-Typ". Aha. Was hältst Du denn von z.B. Taza Bajan. Der marschiert grade durch die Quali zur Trec WM und ist ein kompakter Vertreter seiner Zunft, den ich mir als Ponytyp-Erhalter gut vorstellen kann.
Der Lewitzer Hengst von dem Du gesprochen hast, wäre sicher auch in der Wahl. Je nachdem wie er gezogen wurde.
Traber: indiskutabel. Wobei man beachten muß, dass der irische/englische Trotter mit dem Deutschen Traber nicht viel zu tun hat. Einen Irish Hunter (wohlgemerkt keinen deutschen) könnte ich mir deshalb auch evtl. vorstellen.

Aber Eigentlich können wir uns eh erst genauer drüber auslassen, wenn wir wissen von "was" wir reden.

Fotooooos.

Grüßung
Renate






credendo vides !

Mirja ( Gast )
Beiträge:

06.07.2007 23:06
#11 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten

Hallo Renate!

Eigentlich könnte man ja auch per eMail weiterdiskutieren :-) Aber vielleicht erfreuen sich ja auch andere an den "Insider-Infos".

Hast Du einen Link zu Taza Bajan????
Über die Trotters werde ich nochmals nachforschen! Irish Hunter gefallen mir schon - kenne die aber nur aus dem Irland-Urlaub oder aus Anzeigen.
Besagter Lewitzer-Hengst findet meine Stute "richtig scharf", aber der ist mir zu klein und zierlich.
Ich weiß nicht, wie ich hier Fotos einbinden kann, aber sowohl er (heißt Shakespeare) als auch meine Stute (Peggy) sind auf der HP meiner Trainerin: http://www.distanzreitzentrum.de Unter "Pferde", "Feines Reiten" und "Aktuelles". Sind nicht die allerbesten Aufnahmen, aber man sieht schon mal was.
Unter "Aktuelles" (bißchen runterscrollen) ist auch ein Link zur "IG Distanzpferdezucht". Das ist eine Vereinigung in Gründung, die rasseunabhängig ein besonderes Sportpotenzial fördern möchte. Dort gibt es auch einige ganz interessante Ansätze zu dem "Vermehrungsthema".

Schönen Abend noch!

Mirja

Renate Offline

Mooshofgrufti

Beiträge: 676

06.07.2007 23:29
#12 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten

Na also auch wenn Das Foto nicht allzuviel zeigt - aber Deiner Beschreibung nach, hätte ich mir Deine Stute ja gaaanz anders vorgestellt.

Ich würde sogar bezweifeln, ob da mal ein Trotter dran vorbeigelaufen ist, geschweige denn, dass da einer drin ist.

Also zu der Stute könnte ich mir Taza sogar hervorragend vorstellen. Der Lewitzer deiner Trainerin ist da zu sehr Reitpony.(Drum hatte mich interessiert wie er gezogen ist, weil bei vielen Lewitzerlinien sehr viel Reitpony eingekreutzt wurde in der Zeit seit 89)

Der Link zum Gestüt Eckmühle: http://www.gestuet-eckmuehle.de

Natürlich können wir auch per mail weitermachen wenn dir das lieber ist. Mich stört es nicht, hier "öffentlich" meine Ansichten kund zu tun.
"und ist der Ruf erst ruiniert - schreibt sich`s völlig ungeniert."

credendo vides !

Mirja ( Gast )
Beiträge:

07.07.2007 00:54
#13 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten

Oh wie cool!
Sogar die Scheckung ist ähnlich! Wirkt allerdings etwas sehr feingliedrig im Körper. Aber bei 1,54...... Ja, sehr blütrig!! Rücken und Hals finde ich nicht so ganz top, das sind auch die Schwachpunkte von meiner Maus. Aber er hat eine geniale Ausstrahlung und einen absoluten "Kämpfer-Kopf"! Sowas finde ich geil! Wenn er auch noch etwas eigenwillig im Umgang ist, aber mit dem richtigen Menschen an seiner Seite bereit ist, alles zu zeigen, dann ist er ein absoluter Beobachtungs-Kandidat! Auf jeden Fall ein sehr wertvoller Tipp und dafür Danke schön!

Äh, WIE hattest Du Dir denn meine Stute vorgestellt??? *neugier*

Über die Trotter weiß ich nicht viel, aber ich werde oft angesprochen, ob da Traber drin ist. Da gibt es dieses markante Kopfschlenkern ("Alles doof jetzt"), die Trabaktion auf Ritten (lustig, wenn auf Distanzwettbewerben Araber überholen wollen, angaloppieren und mein Pony im Trab locker mithält, ohne am Wasser-Sprenkler oder sonstwo zu scheuen).

Aber das Tendenzbarometer scheint in Richtung Pinto-Araber zu zeigen (siehe Asterix).

Cool!

Mirja

Renate Offline

Mooshofgrufti

Beiträge: 676

07.07.2007 10:27
#14 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten

Also ich kenne sowohl Asterix als auch Taza live. Taza hatte ich letztes Jahr mal vor der Kamera und wir hatten "nen Mordsspaß" mit dem Shooting.
zuerst hat er sich in den Dreck geschmissen und ordentlich gewälzt (weil sauber is laaaangweilig) und dann war er meistens irgendwo im Gebüsch im Geröllhang unterwegs (ich hab ihn zwar gehört aber nie gewußt aus welchem Busch er gleich rausgebrettert kommt); der hatte richtig Spaß an dem Katz und Maus spielen mit der Kamera. Und vor allem am rumgaloppieren im Wald im Geröllhang!
Wenn ich das nicht auch gelesen hätte - ich hätte ihn kleiner geschätzt. Und er ist auf jeden Fall kompakter und kräftiger gebaut als Asterix (den hab ich auch schon live gesehen - der kommt mir bei weitem größer und "arabischer" vor).

Der Trab ist übrigens generell die stärkste Gangart beim Tinker und manche haben auch einen Schritt, dass andere gleichgroße Pferde nebenher traben können. Sind halt Kutschpferde.

Wie ich mir Deine Stute vorgestellt hatte nach Deiner Beschreibung? Sehr viel "Warmblütiger". Wobei ja eben dieses eine Foto nicht soo viel aussagt.
Aber ich kann Dir ja mal ein Foto von unserer Koh-La zeigen. Und eines von einer Stute, die unser sehr kompakter mittlerweile 11jährige Wallach in seiner Jugend als 3jähriger gedeckt hat (weil wir damals auch glaubten, das müßte eigentlich funktionieren, da den Tinker wieder "rauszukitzeln"). Hat nicht funktioniert, das Fohlen damals wurde ein "Mutterklon"; nur der Charakter war eindeutig Tinkeriger (die Stute war ne übel hysterische Zicke).





credendo vides !

Angefügte Bilder:
kapitel13.2.jpg   koh-la28.jpg  
Mirja ( Gast )
Beiträge:

11.07.2007 00:17
#15 RE: Hengste: Frage an die Insider Antworten

Hallo Renate!

Den Taza werde ich mir auf "Beobachtung" setzen. Mal schauen, was die Zeit so bringt. :-) Nochmal danke für die Insider-Info.
Wenngleich es mich wundert, dass niemand sonst einen tollen Hengst vorgeschlagen hat.
Aber die Diskussionen um Leistung und Schönheit und was man vererben sollte, gibt es auch bei zB Arabern.
Wir schauen mal. Mein kleines (1,47) Distanz-Tinker-Fräulein wird mir schon sagen, was sie will. :-)

Dass Trab die stärkste Tinker-Gangart ist, ist mir durchaus bewußt! Schließlich werden Distanzritte überwiegend im Trab bestritten :-) (zumindest in den Hobby-Klassen). Ich wollte ursprünglich ein Pferd fürs langsame Wander- und Westernreiten. Dass wir im Ausdauersport (übrigens auch für die Reiter!) landen, war nicht geplant.
Sicherlich habe ich inzwischen ein Trainingskonzept, aber das bestimmt Madame maßgeblich mit. Es gibt auch Zeiten, in denen sie nicht so gerne laufen will, dann läuft auch nichts, dann machen wir eben andere Sachen. Da ist mir auch völlig klar, dass ich einen Tinker habe und klassische Tipps in den Wind schmeißen kann. Und jetzt - nach 4 Jahren - bietet sie plötzlich Galopp als Lieblingsgangart im Gelände an. Ich weiß immer nicht, ob es genetisch, rassebedingt oder erfahrungsbedingt ist, dass das immer ihr größtes Problem war. Aber: die 10 "geschenkten" Galoppkilometer am Stück beim letzten Ausritt waren ein Traum! Nie und nimmer hätte ich die auf einem anderen Pferd reiten wollen! Mein buntes Pony ist so bequem, dass man sich für die Langstrecke auch ein Buch mitnehmen kann.
Von daher finde ich es ja fast schade, dass es so wenige davon beim Distanzreiten gibt. Fjords und Haffis laufen da auch sehr erfolgreich mit! Auch die "Szene" ist sehr offen für "Exoten-Ponies". Und man kann ab 26 km "Ausritt" mitmachen (*werbungmodusaus*).

Dein Pferd links im Bild ist wunderschön gezeichnet - sieht aus wie ein klassischer Barock-Pinto. Darf ich ganz dezent fragen, wie es da mit der Sattelauswahl geklappt hat?

Mirja


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